Entwicklungsräume

Personalentwicklung in der Sozialwirtschaft braucht neue Konzepte und Ideen

Das Projekt „Personalentwicklung MITWIRKUNG“ macht das Thema der Fachkräftegewinnung und -sicherung in der Sozialwirtschaft zum Thema. Im Gespräch mit der Projektleiterin Diana Paschek blicken wir auf die Herausforderung einer Branche, die gerade dabei ist ihre Potenzial zu entdecken.

 

 

Welche Schwerpunkte hat sich das Projekt gesetzt?

Das Projekt lässt sich gut umschreiben als Gründen und Initiieren eines Fachkräftesicherungsnetzwerkes für die Thüringer Sozialwirtschaft. Es geht also darum, die Branche als solche nachhaltig zusammenzubringen. Gemeinsam mit den Unternehmen wollen wir überlegen, wie wir dem Mangel an Fachkräften, der in allen sozialen Handlungsfeldern spürbar ist, begegnen können. Für uns sind die unterschiedlichen Ansätze der Unternehmen wichtig. Und es geht um die Frage, was aus Unternehmenssicht in Richtung Politik und Verwaltung an Unterstützung oder neuen Wegen im politischen Handeln nötig sind, damit die Branche der gesellschaftlichen Aufgabe, die sie hat, auch zukünftig gerecht werden kann. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt. In dieser Zeit wollen wir Unternehmen aus verschiedensten sozialen Bereichen unter dem alle verbindendem Schlüsselthema der Fachkräftegewinnung und -sicherung zusammen und in den Austausch bringen.  Dafür haben wir 45 Thüringer Unternehmen aus unterschiedlichen LIGA-Verbänden gefunden, also Caritas, Diakonie, Paritätischer, AWO und DRK – das ist schon ein Novum für Thüringen. Den Unternehmen bietet diese Form der Zusammenarbeit, unabhängig von ihren Unterschiedlichkeiten, die Chance, eine Wirksamkeit im gemeinsamen Branchenhandeln zu schaffen. Gleichzeitig ist es auch ein Projekt, wo es darum geht, eine Branchenlogik zu entwickeln. Bisher wird der Begriff Sozialwirtschaft in der Verwaltung und der Wissenschaft verwendet. Mitarbeitende hingegen sagen eher Ich arbeite in der KiTa oder beim Paritätischen aber nicht Ich arbeite in der Sozialwirtschaft. Wir wollen innerhalb dieses Verbundes eine Kraft entwickeln, die sich ähnlich wie die Kammern von Handwerk und Industrie zum Beispiel durchaus sehen lassen kann.

 

 

Wie Sie eben sagten, ist im allgemeinen Sprachgebrauch von Sozialwirtschaft eher seltener die Rede. Wie schaffen Sie es, dass der Begriff Sozialwirtschaft greifbarer wird?

Das ganze Projekt ist ein Entwicklungsprojekt. Es gibt viele Annahmen und auch Hypothesen, die wir versuchen, zu überprüfen. Gerade in dem Wie schaffen wir es, ist es ein Probierhandeln und an manchen Stellen auch immer wieder ein Neujustieren. Wir haben etwa mit den Unternehmen geschaut, was denn die Arbeit in den einzelnen Einrichtungen ausmacht, was sie besonders macht, aber auch was sie von der Arbeit in anderen Branchen unterscheidet beziehungsweise was gleich ist zu anderen Branchen. Dazu nutzen wir immer agile Methoden. Für die genannten Fragen etwa ein visuelles World Café, um dann eine Branchenbeschreibung herauszuarbeiten. Darauf aufbauend wird unter anderem ein Erklärvideo entstehen. Hier ist es genau die Kunst, in knapp zwei Minuten für jemanden, der nicht Insider ist, die vielen Facetten und Möglichkeiten der Branche anschaulich näher zu bringen, authentisch zu bleiben und letztlich Interesse zu wecken.

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Wie Sie als lernende Organisation Ihre Zukunft gestalten

Neue Arbeitswelten, Digitalisierung, Inklusion… – Fachkräftesicherung lebt von dynamischen Einflüssen: Haben Sie sich zum Beispiel die Frage gestellt, ob Sie wirklich geschlechtsneutral aufgestellt sind und allen die gleichen Chancen bieten? Welche Möglichkeiten mit Blick auf flexible Arbeitszeitmodelle bieten Sie an? Knüpfen Ihre Angebote an der Lebenswirklichkeit der Mitarbeitenden an? Sind Sie auf „der Höhe der Zeit“, wenn es um prozesstechnische Entwicklungen geht? Wo finden Sie Raum für Möglichkeiten und Platz für Experimente?